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Robin Jarvis
Erschienen
Die Mäuse von Deptford: Das düstere Portal
02/2002
Kosmos Verlag, Stuttgart
302 Seiten / € 12,50
Nichts deutet auf die kommenden Ereignisse hin, alles ist friedlich und ruhig bei den Mäusen von Deptford, die in harmonischer Gemeinschaft in einem leerstehenden alten Haus wohnen. Ihre Ruhe ist scheinbar durch nichts bedroht - und dennoch braut sich große Gefahr in unmittelbarer Nähe zusammen.

Denn der Keller des Hauses ist mit der Kanalisation verbunden, in der die fürchterlichen Kanalratten hausen, und von ihrer grausamen Blutrünstigkeit trennt die wehrlosen Mäuse nur ein leicht zu überwindendes Gitter. Doch die größte Gefahr geht nicht von den gemeinen Ratten aus, sondern von ihrem geheimnisvollen Herrscher Jupiter, der Böses im Schilde führt und über magische Kräfte verfügen soll. Er lebt in der Dunkelheit des düsteren Portals, noch niemand hat ihn je zu Gesicht bekommen, aber man munkelt schreckliches über ihn.

Dennoch wagt sich eines Tages der Mäuserich Albert in die Kanalisation, aus ihm selbst nicht ganz nachvollziehbaren Gründen. Und bevor er noch recht begreift, was eigentlich vorgeht, hat er sich schon im Labyrinth der unterirdischen Gänge verirrt. Während er wie betäubt vor Angst immer tiefer ins Gewirr der stinkenden Abwasserkanäle vordringt, trifft er auf einen anderen Mäuserich namens Piccadilly, der sich ebenfalls im Reich der Ratten verirrt hat. Und gemeinsam laufen die beiden ahnungslosen Mäusehelden mitten hinein in Jupiters düsteres Portal.

Das kann nicht gut gehen und es geht auch nicht gut: Albert wagt sich zu weit vor, um Jupiter zu belauschen und bezahlt seinen Wagemut mit dem Leben. Doch Piccadilly entkommt und macht sich auf die Suche nach Alberts Familie, um ihr die schlechte Botschaft zu überbringen.

So beginnt die spannende Geschichte um die Mäuse von Deptford, denn Alberts Tochter Audrey lässt sich nicht davon abhalten, den Vater zu suchen. Dabei verwickelt sie sich und ihre Freunde in den scheinbar aussichtslosen Kampf gegen das dunkle Rattenvolk und dessen mächtigen Herrscher Jupiter. Dabei spielen mystische Elemente eine nicht unerhebliche Rolle, denn offensichtlich ist die kleine, verträumte Audrey ein ganz besonderes Mäusemädchen, das unter dem Schutz der grünen Maus, der guten Mäusegöttin, steht. Und so darf es nicht verwundern, dass sie für den bösen Jupiter eine große Bedrohung darstellt.

Im ersten Band der Abenteuer-Trilogie um die Mäuse von Deptford wird man eingeführt in die idyllische Welt der friedlichen Mäuse, die von der schaurigen Machtgier der Kanalratten bedroht wird.

Die Geschichte beginnt abrupt und etwas holprig, da schon nach zwanzig Seiten der Sympathieträger Albert plötzlich stirbt - ein etwas ungewöhnliches Vorgehen für ein Kinder- oder Jugendbuch. Daher rückt sehr bald die kleine Audrey in den Mittelpunkt des Interesses, und wir erfahren, dass sie wohl die große Heldin der Trilogie sein wird. Aber auch die anderen Mäuse verhalten sich heldenhaft: Sie alle sind gekennzeichnet von dem Drang, ihren Freunden beizustehen und wenn nötig, auch ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen. Die Ratten dagegen werden ausnahmslos von Egoismus und von Machtgier getrieben, sie stehen nicht füreinander ein, sondern bekämpfen sich gegenseitig.

Der Erzählverlauf springt stark hin und her - es steht mal diese und mal jene Maus oder Ratte im Mittelpunkt. Zum Glück befindet sich am Anfang des Buches ein Verzeichnis der beteiligten Mäuse und Ratten, so dass man zur Not noch einmal nachschlagen kann, wessen Abenteuer man eigentlich gerade verfolgt.

Schade ist, dass nach dem Lesen noch einige Fragen offen bleiben; vor allem der geniale Plan Jupiters, mit dem er die Weltherrschaft erringen will, wird nicht ganz klar. Auch die Rolle der Fledermäuse ist höchst seltsam, man kann sie bestenfalls als allwissende Helfer des Guten einordnen, die in letzter Sekunde rettend eingreifen (eine Art Mäuseschutzengel?) - warum sie dann aber Albert nicht beistehen, bleibt ebenfalls ungeklärt. Da kann man wohl nur auf den zweiten Band der Trilogie hoffen, der bereits im Februar erscheinen soll und vielleicht einiges verständlicher werden lässt. Denn die Andeutungen der Fledermäuse lassen vermuten, dass die böse Macht Jupiters noch lange nicht vernichtet ist und die Geschichte nur zu einem vorläufigen Ende gekommen ist.

Trotz dieser Kritik liest das Buch sich sehr gut, erst am Ende werden die verschiedenen in unterschiedlichste Richtungen verlaufenden Erzählstränge wieder zusammengeführt und es kommt zum verdienten Happy-End. Dadurch, dass fast jede der Mäuse ihr eigenes Abenteuer erlebt, bleibt es durchgehend spannend und abwechslungsreich, und am Ende erlebt man noch die große Überraschung, was es mit dem geheimnisvollen Rattenherrscher Jupiter eigentlich auf sich hat.


Ein spannendes Mäuseabenteuer für Leserinnen und Leser zwischen zehn und vierzehn, auf dessen Fortsetzung man gespannt sein darf.