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Bundespräsident Roman Herzog, das siebte Deutsche Staatsoberhaupt nach dem Zweiten
Weltkrieg, wird in Kürze aus seinem Amt ausscheiden. Das hatte er bereits 1994
angekündigt, das ist aber heute - bei den veränderten Stimmenverhältnissen auch in der
Bundesversammlung - sicherer denn je. Damit folgt er dem Beispiel Gustav Heinemanns,
Walter Scheels und Karl Carstens, die auch jeweils auf die grundgesetzlich eingreräumte
Option einer zweiten Amtszeit verzichteten.
Herzog wird dann 65 sein und sien Privatleben kann - endlich - beginnen.
In seinem Portrait - für das höchste deutsche Amt in fast ungebührlichem Paperback
bei MUT erschienen - gibt Peter Keller Einblicke sowohl in das Politiker- und
Juristenleben Roman Herzogs. Dabei trifft der Titel durchaus ins Schwarze: Unverkrampft
und beherzt, so haben die Bundesdeutschen den Präsidenten erlebt, einer, der auch einmal
die Stimme erheben kann, wenn ihn keiner Fragt und der kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn
es darum geht, das rechte Wort zur rechten Zeit zu sagen.
Keller vermag es, die weiche, die herzliche, die sanfte Seite des großen Europäers zu
beleuchten, dabei aber die Standhaftigkeit und Prinzipientreue nicht zu vergessen. In
teilweise etwas verklausulierten Passagen umreißt er so eine Persönlichkeit, über deren
Größe sich wahrscheinlich erst nachfolgende Generationen bewußt sein werden, weil
Herzog keiner ist, der - wie landläufig immer wieder befürchtet wird - im Schatten
seines Vorgängers Richard von Weizsäcker steht, sondern der eigene Schatten wirft.
Was leider fehlt, ist ein chronologischer Abriss über Herzogs Werdegang, wie man ihn
bei einem Portrait schon erwarten darf.
Ein gemütliches Buch - passend zum Abschied von einem herzhaften Präsidenten.
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