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Kazuya Minekura
Erschienen
Stigma
11/2002
Ehapa Verlag, Berlin
138 Seiten / € 13.-
Das ist ein hartes Stück Manga! Alle Seiten vierfarbig – was es vielleicht auch für den Schwarz/weiß-Gegner anschaubar macht. Leider ist der schöne Band eingeschweißt. Die hier gezeigte Gewalt ist nicht mit Splatter-Orgien anderer Mangas zu vergleichen. Hier ist es härter, aber kaum blutig. Die Stimmung ist am ehesten noch mit Blood the last Vampire zu vergleichen. Sexualität ist ein klares Thema. Zuerst deutlich, als der noch namelose Held mit einer Prostituierten ins Bett geht, dann eher nur angedeutet, als der kindliche Tito den eher erwachsen dargestellten Helden im gemeinsamen Bett wärmt und zum Schluss, als die sexuelle Ausnutzung durch einen älteren Kriminellen angedeutet wird. Die Geschichte ist unglaublich dicht und benutzt diese Thematiken nicht nur zur Effekthascherei, sonder es sind wichtige Erklärungen für das Verständnis der Figuren.

Stigma ist ein eindrücklicher Beweis für die Vielfalt der Geschichten hinter der vermeindlichen Eintönigkeit der grafischen Gestaltung im Genre Manga. Erzählt wird die Geschichte zweier einsamer Menschen in einer Welt ohne blauen Himmel. Nach einem nicht näher beschriebenen Krieg wurde der Himmel grau und die Vögel verschwanden. Das Thema "Leben nach der Apokalypse" ist nicht neu, Jeremiah ist der aktuelle, Fernseh-Serie gewordene Comic-Beweis, aber immer wieder Grundlage für bewegende, manchmal auch banale Stories. Mit einem Koffer voller Geld, das auch in dieser farblosen Welt ein relativ sorgloses Leben sichern könnte, irrt der später Stork benannte Held durch die Gegend. Er trifft auf Tito, einen kleinen Jungen, der auf der Suche nach den Vögeln ist.

Dieses Manga bricht dem Leser das Herz, als Stork für Tito einen ausgestopften Eisvogel erwirbt, weil der Junge den Vogel befreien möchte. "Der schien doch so lebendig" - wer möchte da nicht weinen?

Nein, Stigma ist keine lustige und auch keine spannende Geschichte. Sie ist tiefschwarz und verdammt traurig. Eine tröstende Schulter für die Minuten nach den letzten Seiten ist anzuraten! Für den westlichen Leser vielleicht störend, die Verwendung christlicher Themen wie dem namensgebenden Stigma von Stork und Tito oder den scheinbar unvermeidbaren Engelsflügeln, die übrigens nur auf den Splaspages zu sehen sind.


Stigma ist ein emotional brutales Stück Manga in augenfreundlichem Vierfarbdruck. Mit 13 Euro für 130 Seiten Comic- und Erzählkunst nicht zu teuer und für empfängliche Leser wird dieses Comic dauerhaft im Gedächnis bleiben. Über dieses Comic sollte man sprechen, denn die Inhalte sind nicht unproblematisch.