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Erschienen
Perry Rhodan Silber Edition 1 (Hörbuch)
02/2003
einsAMedien, Köln
12 CDs / € 39,90
Weil Perry ein Teil unserer Geschichte ist, keine Rezension, sondern ein längerer Kommentar unseres Comic-Experten Thomas Dräger:

Irgendwie ist wohl schon jeder mit dem Thema "Perry Rhodan" in Berührung gekommen. Mein erstes Comic überhaupt war ein Perry Rhodan, Nummer 56, "Die Warnung des Unsterblichen", wohl weil ich mit knapp sechs Jahren die Serie "UFO" nicht sehen durfte, sie lief um 21:15 Uhr – zu spät. So also "Perry - unser Mann im All", da gab es auch Raumschiffe, und man konnte sich das Comic auch mittags kaufen. Dann im langweiligen Urlaub auf dem Bauernhof der erste Perry-Roman. Es war das einzige Medium mit einem Raumschiff in Zehn-Kilometer-Umkreis. Dann der MDI-Zyklus in der dritten Auflage. Heroische und irgendwie auch faschistische Geschichten mit Raumschiffen, Aliens und so weiter. Trotz der tendenziösen Strömungen in den Romanen kann man sich diesen Klassikern schlecht entziehen. Wieder ein paar Jahre später mein erster Silberband, knappe dreizig Mark waren damals für einen Schüler ziemlich viel, aber ich kratzte das Geld zusammen und so konnte ich endlich den Beginn dieser langlebigsten deutschen SF-Serie miterleben. Ein richtiger Leser wurde ich aber nie, möglicherweise weil es einfach bessere und kürzere Geschichten mit fliegenden Autos gab und gibt. Dennoch schaue ich auf jeder Comic-Börse nach fehlenden Perry-Comics. Natürlich habe ich auch die alten Schallplatten mit den ersten Hörspielen. Und dann kam einsAMedien mit den neuen Hörspielen auf den Markt. Nach einem furiosen Start, einer schwachen Nummer zwei und dann eigentlich immer besseren Folgenummern beste SF-Unterhaltung fürs Ohr. Deswegen war ich mehr als gespannt, als der Verlag sein ambitioniertes Projekt "Silberbände" ankündigte. Auf 12 CDs gibts laut Verlagsangaben um die 15 Stunden Perry. Dass bei solch einem Unterfangen einiges schief gehen kann, zeigt die erste Auslieferung, die aber sofort wieder überarbeitet wurde. Im Booklet falsche Farben, auf den CDs Fehler, da ist einiges nicht so gelaufen, wie sich die Macher das gewünscht hatten. Daran wird man sich im Verlag noch lange erinnern, und hoffentlich wird dieses Hörbuch auch kommerziell ein Erfolg, so dass man über diese Stolpersteine einmal schmunzeln kann.

Aber was ist dabei herausgekommen? EinsAMedien hat diesmal den Begriff "Hörbuch" ernstgenomen. Verständlich, denn die Produktion in der Art der anderen "Hörbuch" genannten Hörspiele (mit mehreren Sprechern, Hintergrundgeräuschen und allem was dazu gehört) hätte eine Veröffentlichung des Silberbandes vor dem Bankrott der Firma unwahrscheinlich gemacht. So also ein echtes Hörbuch – das heißt ein Sprecher für die nächsten 15 Stunden. Klingt zunächst gruselig, bin ich doch von Deutschlands Synchron-Stimme Nummer eins, der Scully aus Akte-X (einfach mal beim Fernsehen die Augen zumachen, es scheint die Dame macht jede zweite Doku und etliche Spielfilme) irgendwie nicht so begeistert. Aber Josef Tratnik macht seine Sache großartig. Der Mann kann mit seiner Stimme einiges anstellen. Mal technisch neutral, mal als Haudegen "Bully" fast schon patzig im Ton und als Russe gebrochen sprechend; dass er dabei eher komisch kommt, passt hervorragend zum Sujet des Groschenromans. Ohnehin ist mir beim Hören aufgefallen: Ich hatte nicht mehr viel vom ersten Silberband in Erinnerung. Aber bei jedem Nachlesen musste ich erkennen, das Hörbuch hat recht, genau so stand es geschrieben. Trotz aller Euphorie über die CDs muss doch angemerkt werden, dass hier jede Menge Klischees verbreitet werden, die so auch nicht mehr funktionieren. Gerade dieser Anachronismus ist Teil der Faszination dieses Meilensteins deutscher Science-Fiction.

Zur Story (aber wirklich nur ganz knapp): Die USA schicken ihr erstes bemanntes Raumschiff auf den Mond. Dort entdeckt Commander Rhodan ein fremdes Raumschiff mit degenerierter Besatzung, einer wunderhübschen und herrischen Frau und einem an Leukämie erkrankten Wissenschaftler. Die (Waffen-)Technik der Fremden nutzend, möchte er als dritte Macht auf der Erde die restliche Welt durch Furcht vor den Möglichkeiten der Fremden einen. Nebenbei wird der Wissenschaftler geheilt und Perry kommt der Dame immer näher. Klingt platt. Ist es auch. Unterhält aber trotzdem. Oder gerade deswegen. Das gab es auch schon als Film, der aber in die Top-Ten der schlechtesten Filme gehört. Wahre Fans werfen den Silberbänden Geschichtsverfälschung vor, weil hier schon einige Härten der Original-Romane in puncto Logikfehler und political (in-)correctness bereinigt wurden. Und dennoch so human wie ein Breitschwert und so logisch wie eine Folge "Gute Zeiten schlechte Zeiten" – was aber dem Charm der Geschichte nicht abträglich ist.

Und nun zurück zum Hörbuch, selbst nach CD Nummer Neun ist Tratniks Stimme noch nicht unangenehm oder einschläfernd – Respekt! Dass einige Kapitel mit einem "fetzigen" Bontempi-Rumba-Rhytmus eingeleitet werden, ist wohl auch eine Reminiszens an die alten Tage, als elektronische Klangerzeuger noch selbst ein Teil Science-Fiction waren. Noch mal zu Tratnik: Ich muss immer wieder ins Booklet und auf den CD-Player schauen, ob die letzte CD nicht einfach zu kurz war. Die letzten Schritte unter dem Energieschirm können doch nicht eine Stunde gedauert haben? Doch, aber wie im Fluge ging die Zeit rum – Tratnik rulez!

Zum Schluss noch einige Krtikpunkte: Es gibt zu wenig Tracks auf den CDs und man bekommt die CDs schlecht aus den Hüllen. Denn diese ergeben zusammengelegt das Titelbild des ersten Romans, und wenn man sich das an die Wand gehängt hat, muss man die CDs irgendwie anders verstauen. Da wünsche ich mir als Fan das Ganze einfach als Poster, könnte auch noch ein bisschen größer sein.


Ich wünsche der Serie alles Gute, es hat wirklich Spaß gemacht – Danke für ein großes Stück Schwelgen in Vergangenheit und ein menschlich gesprochenes und kurzweiliges Stück Hörbuch. So – und jetzt lese ich das Comic-Heft "Perry unser Mann im All" #56 nochmal.