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George Pratt
Erschienen
Wolverine Netsuke #1 & #2
09/2003
Panini Verlags GmbH, Nettetal
je 64 Seiten / je € 6,-
Amerika ist ein seltsames Land. Die räumliche Trennung zwischen Deutschland und den USA bietet Platz für Vorurteile. Eines davon ist, Amerikaner seien oberflächlich. Wäre da nicht der Superheldencomic die beste Gelegenheit, dieses Vorurteil zu bestätigen? Natürlich nicht. Denn hinter so mancher bunter Unterhose lauert eine Geschichte. Am besten gelingt das dem vermeinzlich Trivialen, wenn es im vertrauten Aussehen mit eher hinterhältigem Story-Abgrund den Leser unvorbereitet zum Nachdenken verführt. Aber es gibt natürlich auch das andere Extrem. Das als bedeutend beworbene High-End-Comic entpuppt sich als Story-Seifenblase, die nicht einmal das erste Lüftchen des Seitenumblätterns übersteht. So geschehen im "Batman – Arkham Asylum"-Prachtband.

Was soll die lange Vorrede? "Wolverine Netsuke" ist ein schwerer Fall. Das Comic setzt sich zwischen alle Stühle, tendiert aber leider zum letztgenannten Klischee. Schon beim ersten Durchblättern wird klar, das wird keine seichte Unterhaltung. Georg Pratt hält, was sein Name verspricht: Jede Seite dieses Comics ist ein kleines Kunstwerk. Der vorherrschende Stil ist Aquarell-ähnlich. Verlaufende Farben werden von dünnen Linien eingefangen. Die bunten Flächen wabern über die Seiten und immer wieder schält sich der Inhalt des Panels erst nach längerem Betrachten aus dem Sinnesrausch. Blutige Schlachten wechseln sich mit trostloser und mörderischer Einöde einer Winterlandschaft ab. Mittendrin unser Biertrinker, der aber diesmal keinen Tropfen abkriegt. Außer seinen Tränen, denn der starke Mann nach Schimanski darf ja auch seinen Gefühlen folgen. Das macht Wolverine hier. Er erhält ein Kästchen, das für vier Netsukes, kleine Holzschnitzereien, vorgesehen ist. Nach und nach findet der Kanadier die vier Teile. Jedes zeigt ihm einen Teil seines Selbst. Den Kämpfer, den Künstler, das Tier und den Liebenden. Doch in jeder Episode muss er töten. Was will der Zeichner uns damit sagen? Keine Ahnung. Die Story ist so zäh erzählt, dass man entweder von der tiefen Bedeutung überzeugt ist, und diesem wertvollen Stück Kunst die Treue hält, oder das Comic nicht zu Ende liest.

Bleiben die Bilder, die wirklich gut sind. Aber hätte es nicht auch ein Band getan? Zu sehr ähneln sich die beiden Bände. Netsuke wirkt unnötig in die Länge gezogen. Es ist ein wirklich schöner Comic – fertig. Da greifen wir mal wieder etwas enttäuscht in die Mottenkiste und schielen auf das ebenso vor Bedeutsamkeit triefende "Blood" und lesen dann doch wieder "Havok & Wolverine – Meltdown". Da gabs Action, Bilder und leicht versteckt sogar mehr Story - und die wurde unverkrampfter erzählt. War zwar nicht von Pratt, aber dennoch gemäldemäßig schön und von den Simonsons lebendiger erzählt. Sogar mit bunten Unterhosen und einem Bierchen. War aber auch teuerer – wie immer: es gibt Vor- und Nachteile.


Bildgewaltig, blutig aber keine so rechte Action. Wolverine ohne Bier. Stattdessen nachdenklich. Ausprobieren.