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Helmut R. Schulze
Erschienen
Helmut Kohl – Der Kanzler
04/2006
258 Seiten, 334 Farbbilder
[Dies ist eine zusammenfasende Rezension mit "Helmut Kohl - Bilder eines Lebens" von Helmut R. Schulze]

Portraitfotografie zählt zu den Königsdisziplinen der Fotokunst. Der in Heidelberg wohnende Helmut R. Schulze ist zweifelsohne einer der großen Meistern seines Faches. Ein Mann, den Schulze auf seinem Lebensweg immer wieder begleitete, war und ist Helmut Kohl. Aus Anlass des 75. Geburtstags des Alt-Bundeskanzlers hat Helmut R. Schulze den monumentalen Bildband "Helmut Kohl - Der Kanzler" mit über 300 Farbfotografien des kurpfälzisch-deutschen-europäischen Staatsmannes herausgegeben. Der temporäre Spannungsbogen, in dem die beeindruckenden Farbfotografien entstanden sind, reicht von der Wahl Kohls zum Bundeskanzler im Herbst 1982 bis zum Symposium der Konrad-Adenauer-Stiftung im Schlüterhof der Historischen Museums Unter den Linden Berlins zu Ehren Helmut Kohls im April 2005.

Einen großen Teil der Fotoarbeiten Helmut R. Schulzes über den Ehrenbürger Europas, die im oben genannten Bildband erschienen sind, zeigte die Kunsthalle Mannheim in einer mehrfach verlängerten Fotoausstellung bis Mitte letzten Jahres; der international bedeutsame Musentempel der Stadt an Rhein und Neckar gab entsprechend einen Katalog heraus.

Die Bilder zeigen Kohl auf all seinen Wegen. Bei der Arbeit im Kanzleramt, auf Reisen im In- und Ausland, wichtige Stationen zur deutschen Einheit und der europäischen Einigung. Gelungen sind weiter die Aufnahmen, die den gebürtigen Ludwigshafener Kohl mit den Staatsmännern seiner Ära zeigen. Mitterrand, Reagan, Bush sen. und Gorbatschow, um nur einige zu nennen. Schulze, dessen Fotoreportagen unter anderem im FAZ-Magazin, im Focus und Time-Magazine erschienen sind, sind nicht oberflächlich. Sie zeigen den langjährigen Bundeskanzler außerhalb der staatsmännischen Pose auch im Urlaub am Wolfgangsee mit seiner verstorbenen Ehefrau Hannelore. Gerade dieses Kapitel, das Hannelore Kohl und deren facettenreichen und gewinnende Persönlichkeit zu zeigen vermag, ist äußerst gelungen. Die Momentaufnahme beispielsweise, die Hannelore Kohl vor der Skyline Chicagos zeigt, als ein amerikanischer Cop der Kanzelgattin Feuer für eine Zigarette gibt, spiegeln eine unverwechselbare Authentizität wieder.

Nicht nur die Bildauswahl dieses Bandes und der Ausstellung sind gelungen, auch die dazugehörigen Bildbeschreibungen und umfangreicheren textalen Beiträge wie der des Alt-Bundespräsidenten Roman Herzog sind alles andere als staccatohaft dahingeschrieben. Sie zeigen die vielen unterschiedlichen Seiten Helmut Kohls auf und lesen sich wie ein Geschichtsbuch bundesrepublikanischer Zeit.

Neben den Kohlbilder sind weiterhin eindruckstark die Landschaftsaufnahmen, die Schulze auf Kanzlerreisen besonders in Afrika und China aufnahm. Unterschiedliche Kulturen des politischen Zeremoniells in Schwarzafrika wie auch Veränderungen in China im Laufe von Jahrzehnten reflektiert der Fotoreporter Schulze in unverkennbarer Manier.

Sowohl die doppelseitigen Weitwinkelaufnahmen wie die bewusst leicht verzerrten Aufnahmen (Menschen auf der Berliner Mauer mit Deutschlandfahne; Offizielle Feier zu Wiedervereinigung in der Nacht vom 2. auf dem 3. Oktober 1990 vor den Reichstagsgebäude in Berlin) sind von einer beweglichen Intensität in der das statische Foto im Übergangsstadium zum Film wird. Schlichtweg weltklasse.


Die Fotobände Helmut R. Schulzes zu Helmut Kohl laden den Leser und Betrachter zum Verweilen ein und sind echte Meisterwerke der Portraitkunst.

PK