2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Hans Sarkowicz ( Hrsg.)
Erschienen
Hitlers Künstler
Die Kultur im Dienst des Nationalsozialismus
05/2006
Insel Verlag, Frankfurt/M.
458 Seiten / € 24,80
"Hitlers Künstler" ist kein populärwissenschaftliches Buch a la Guido Knopp. Es erwartet den zeithistorisch interessierten Leser keine weitere Folge im Sujet"Hitlers Frauen, Hitlers Hunde", wie esder Titel zunächst vielleichterwarten lässt. "Die Kultur im Dienst des Nationalsozialismus", so der gelungene und exakt beschreibende Untertitel des Buches, stellt in elf Aufsätzen mittleren Umfanges die Kultur im "Dritten Reich" dar. Die Autoren sind allesamt Meister Ihres Faches, Historiker, Literatur-, Kunst- und Theaterwissenschaftler. Das vom Kulturleiter des Hessischen Rundfunks, Hans Sarkowitz,zur Hörfunk-Sendereihe herausgegebene Buch ist ein Hauptwerk zum Thema Kultur in Deutschland der Jahre 1933-1945 und zukünftig Pflichtlektüre für alle, die sich in irgendeiner Form mit diesem Aspekt der Kulturgeschichte beschäftigen werden.

Seine Gliederungzeichnet sich durch einen besonders wohlüberlegten Aufbau aus. Die ersten drei Aufsätze setzen sich mit Rolle, organisatorischem Aufbau und Zielsetzung von Kultur im nationalsozialistischen Deutschland auseinander, bevor die einzelnen Disziplinen,also dieSchauspielerei sowohl auf Bühne wie Leinwand mit dem dazugehörigen Theaterbetrieb bzw. der Filmindustrie, die Hohen Künste der Malerei und Plastik aber auch auf das Design näher vorgestellt werden. Der Abschluss dieses nicht zu hoch zu schätzenden Sammelbandes thematisiert die Rolle der Musiker und der Unterhaltung, besonders die des Kabaretts.

Herausragend ist diedistanzierte Unvoreingenommenheit, welche - ohne mit moralisierendem Zeigefinger zu weisen und auf die damaligen Akteure herabzuschauen - die Dinge betrachtet. In Sarkiwicz Band wird vielmehr die Zerrissenheit und Vielschichtigkeit von Kulturschaffenden gezeigt in einer Zeit, in der der Opportunist innerhalb kürzester Frist zum Verfolgten werden konnte. Darüber hinaus zeichnen die Autoren in einer gelungenen Mischungaus Darstellung von Strukturgeschichte und der sie tragenden Personen die Nachwirkungen des Nationalsozialismus nach 1945 nach. Hervorragend arbeiten die Wissenschaftler Gemeinsamkeiten der Künstler zu Fragen ihrer Verantwortung in dieser schicksalhaften Zeit der deutschen Geschichte heraus. "Ich war doch Künstler und sonst nichts", so lautete ein Standartsatz. Zum Gelingen des Werkes trägt zweifelsfrei das harmonische Nebeneinander von Informationen in Texten und dem visuellen Eindruck durch zahlreiche Bilder besonders im Bereich der Architektur und Plastik bei, welches das originär Nationalsozialistische in besonderem Maße herausarbeitete. Das Monströse, Erhabene, die Masse, indem der Einzelne im Nichts aufgeht.

Die zahlriechen Faksimile undAbdrucke von Briefen und Texten aus damaliger Zeit vermitteln dem Leser den Eindruck des Authentischen und man versinkt ein wenig in die Zeit der 30-er Jahre. Allerdings ist mannach dieser Lektüre umso erfreuter und dankbarer, den Wert eines freien, demokratischen Staates, in dem Kritik an den handelnden politischen Akteuren nicht Verhaftung und Fallbeil bedeuten, erkennen und darin leben zu dürfen.

Das Buch bedient zumindest partiell auch das leichte und voyeuristische Verlangen der Leser. Die Beziehungsgeflechte der Künstler untereinander, aber auch die kulturellen Vorlieben Hitlers kommen nicht zu kurz. Dass Hitler neben Richard Wagner auch Weiß Ferdl und besonders dessen Filmkomödie"Die beiden Seehunde" schätze, ist nicht allzuweit bekannt gewesen.

Die Literaturhinweise im Anhang sind mit der Nennung von annähernd 400 Titeln äußerst umfangreich und unterstreichen die qualitative Güte dieses Sachbuches.




Das von Hans Sarkowicz herausgegebene Buch Hitlers Künstler ist informativ, gut zu lesen und sehr zu empfehlen für alle, die an Kunst und Kultur interessiert sind.


PK