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Erschienen
Iontachs charmanter Folk ist wunderbar
02/2009
Was genau den Irish Folk ausmacht, darüber streiten sich Fans, Gelehrte und Kritiker schon immer seit die mitreißende Volksmusik der Grünen Insel auch hierzulande so ausdauernd und ausufernd Fuß fassen konnte, dass sich längst nicht nur eingeschworene Zirkel damit befassen: Am nächsten kommt man der Wahrheit wohl, wenn man eine ganz eigentümlich unbeschreibliche Mischung aus traditionellen Tonfolgen, berührenden Rhythmen und vor allem einer unnachahmlichen Atmosphäre als Stilbildende Elementen betrachtet. Der Irish Folk ist dabei durch seine ungebremste Popularität stets wandelnden Strömungen und Einflüssen unterworfen und hat gerade hierzulande ganz eigenständige, sehr charakteristische Ableger gebildet.

Die Creme dieses stilistischen Wurzelschlags in unseren Gefilden wurde am vergangenen Freitag im Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“ serviert, als die Formation „Iontach“ für einen wunderbaren Abend ihre eigene Version des Folk zelebrierte – zusammen mit einem Publikum, das gefesselt und begeistert jeder Gefühlsregung von der Bühne folgte: Von einem sehr deutschen Akzent durchwoben und doch treffsicherer Garant für dieses Irland-Feeling, das sich unter den Gästen breit machte.

Die Protagonisten sind jeder für sich unverkennbar keine unbeschriebenen Blätter: Leader Jens Kommnick, der mit einem fast schon virtuosen Fingerpicking vor allem an der Gitarre, aber auch an der irischen Bouzouki in einer ornamenthaft phantasievolle Tonsprache vor allem für die lyrisch-sensiblen Programmteile brillierte, mit druckvoller Rhythmik und hartem Schlag aber auch mitreißende Elemente entfesselte, hat schon durch zahlreiche CD-Veröffentlichungen auf sich aufmerksam gemacht. Ebenso eine „Irin ausschließlich im Geiste und in der Stimme“ ist Angelika Berns, die dennoch zu einer der renommiertesten Sängerinnen dieses Genres vor allem im Ruhrgebiet zählt. Eine klare, ungekünstelt offene Stimme mit einer erstaunlich guten Absprache konnte absolut überzeugen. Die irische Sängerin Siobhán Kennedy – übrigens die Gattin Kommnicks – brachte neben einer fesselnden Stimme mit warm-weichem Grundton und einem sehr natürlichen Timbre insbesondere Flötentöne mit, die ihre Zuhörer mal umhüllten, mal verzauberten und dann wieder antrieben. Die Zutaten sind von bester Qualität und die Gruppe wurde bereits mit ihrer ersten CD im Musikmagazin „Folker!“ zur CD des Jahres vorgeschlagen – eine echte Auszeichnung.

Auch in Hockenheim brauchten die drei „Iontachs“ nicht lange, um das Publikum zu beeindrucken und zu bannen: Eine leichtfüßige Mischung aus Balladen, hornpipes, Jiggs und Reels brachte ein wahres Wechselbad der Gefühle: Eben der Gänsehaut-Titel „Another Train“, direkt danach der mitreißende Reel-Dreierpack „The dream of home“. Vor allem die zahlreichen A-capella-Lieder machten völlig zu recht massivst Eindruck: Mit maximaler Harmonie und grandiosem polyphonem Feingefühl zauberte Iontach den Gästen sichtbar die Wärme ins Herzen und das Lächeln aufs Gesicht. Die waren auch besonders zugänglich für die fast schon zärtliche Art der drei Musikanten, hatten die doch mit charmanten Geschichtchen und humorvollen Zwischentexten binnen weniger Titel eine feste Brücke zum Publikum geschlagen. Dieses folgte dann begeistert und neugierig den zahlreichen spannenden Experimenten der drei Erzähler, die problemlos von Obamas Energie-Wende zum CD-Verkauf überleiten konnten, wenn diese wieder Musiker und Sänger waren: Ob dem lautmalerischen Lied vom Hufschmid „Ding Dong Dederó“ oder der tragisch-blutrünstigen Ballade „Edward of Morton“, in der Kennedy an der Fiddle einen dramatischen Unterton beisteuerte.


Manchmal ist es gar nicht nötig, die Diskussion mit einem Ergebnis abzuschließen, ob eine Gruppe „echten“ Irish Folk spielt oder nicht. Manchmal reicht es, sich in der Atmosphäre zwischen Kaminzimmer, verräuchertem Pub und knallendem Tanzboden einfach nur zurückzulehnen und zu genießen. Und heißt „iontach“ im Irischen nicht „wunderbar“?



Weitere Informationen im Internet unter www.iontach.de.