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Sie singen wunderschön, und nicht nur die Herzen der jungen Damen fliegen
ihnen zu: Vorbeiziehende Troubadoure faszinieren den jungen Sänger Peter
Pirol, doch gleichzeitig flößen sie ihm Furcht ein.
Voller hoher Ideale findet sich der Knabe ganz unvermittelt in ihrer aufregenden
Welt wieder, als sein freigiebiger Herr ihn einfach an den fahrenden Ritter-Troubadour
verschenkt. Doch sein neues Leben ist nicht so glanzvoll und rechtschaffen,
wie er glaubte. Sein zweiter Herr - attraktiv und unterhaltsam - beherrscht
die Kunst der Minne perfekt, doch er setzt sie nicht ein, um sich in keuscher
Liebe nach seiner domna zu verzehren, wie der naive Pirol das von seinem bisherigen
Vorbild gelernt hat. Nein, er benutzt seine verführerischen Künste
vielmehr, um sich zu bereichern und die Damenwelt im Flug zu erobern. Er ist
ein Blender, ein Lügner, er versteht es, die Wünsche und Begierden
seiner Mitmenschen zu erraten, und sie dadurch geschickt zu manipulieren.
Peter Pirol lernt bald, seinen immer auf Unterhaltung bedachter Herrn zu
hassen, als dieser ihn in einem großen Spektakel mit einer Mohrin aus
seinem Gefolge verheiratet - einer Ungläubigen, die Pirol insgeheim verachtet
und fürchtet. Doch als feiger Mitläufer wagt er nicht, sich zu wehren.
Und als gläubiger Christ fühlt er sich dieser aus einer Laune seines
Herren heraus geschlossenen Ehe verpflichtet. Nur sein Ekel vor dem gewissenlosen
Frauenheld nimmt ständig zu. Dennoch bleibt er seinem Herrn in treuer
Unterwürfigkeit ergeben, zwischen Verehrung und Abscheu hin und hergerissen.
Seine dunkelhäutige Frau würde Pirol am liebsten verlassen; vergessen,
dass sie jemals existiert hat. Er kann sie nicht lieben. Vielmehr stürzt
er sich selbst nur wenig später in eine unerfüllbare Leidenschaft
zu einer verheirateten Frau, die nichts mehr fürchtet als diese Verehrung.
Seine Verliebtheit wird zur Besessenheit, seine Besessenheit führt zu
Hass auf all die, die sich ihm in den Weg stellen. Vor allem auf seinen mit
allen Wassern gewaschenen Herrn, der es aus ganz anderen Gründen auf
die unnahbare Schönheit abgesehen hat. Doch als sich für Pirol schließlich
die Gelegenheit bietet, Rache zu üben, befreit ihn das nicht, sondern
stößt ihn nur tiefer und tiefer ins Unglück.
Erst seine anmutige Tochter Ouallada, die er zur Troubadourin ausbildet und
als echte arabische Prinzessin ausgibt, schafft es, dem eigenen Schicksal
entschlossen und unerschrocken entgegenzutreten. Sie handelt klug und besonnen
und lässt sich nicht von impulsiven Gefühlsanwandlungen leiten.
Doch auch sie verliebt sich leidenschaftlich - und aussichtslos. Als sie erfahren
muss, wie ihre Liebe immer wieder verschmäht wird, ist das für sie
aber nicht der Beginn von Bitterkeit oder Hass. Sie fordert nicht sondern
gibt.
Geraldine McCaughrean führt uns durch die bunte und farbenfrohe Welt
der Troubadoure, begleitet uns auf Kreuzzüge und lässt ganz nebenbei
Interessantes über das Leben im 12. Jahrhundert einfließen. Geschickt
verbindet sie Historie und Roman, lässt ihre Hauptpersonen wie zufällig
immer wieder auf wichtigen geschichtlichen Schauplätzen erscheinen. Und
ganz beiläufig spinnt sie die feinen Fäden der Personenkonstellationen,
die die eigentliche Spannung des Romans ausmachen.
Die Autorin lässt uns in dieser drei Generationen umfassenden Geschichte
immer wieder unerwartet auf alte Bekannte treffen. Oftmals scheint eine Figur
für immer aus der Geschichte verschwunden zu sein, nur um kurze Zeit
später wieder aufzutauchen - jede Begegnung wird zu einem Ende gebracht,
nichts wird vergessen. So wird Pirols Leben bis zuletzt von seinen zwei so
gegensätzlichen Herren und seiner inneren Zerrissenheit geprägt.
Erst seine Tochter, die nur sich selbst gehorcht, findet den Frieden, den
er nie kannte.
In diesem Roman der Troubadoure singen sie alle von Liebe, doch jeder versteht
etwas anderes darunter. Manche singen zu ihrem eigenen Lob, strotzen vor Selbstverliebtheit.
Anderer glauben, im Dienste einer höheren Macht zu stehen, wenn sie ihre
Version der Liebe leben. Wieder andere, wie Pirol, verrennen sich so in ihre
Besessenheit, dass sie alles andere völlig aus den Augen verlieren. Auch
die Wünsche der Geliebten. Alle wollen sie mit ihrer Liebe etwas erreichen
- ihr eigenes Glück. Aber die Liebe folgt ihren eigenen Gesetzen.
So - oder so ähnlich - bewegt uns die Liebe auch noch im 21. Jahrhundert.
Die Vermutung von Pirols Angebeteter, die Ehe werde wohl noch in vielen Jahrhunderten
Bestand haben, die Liebe sei dagegen vermutlich eine vorübergehende Modeerscheinung,
lässt sich aus unserer Sicht heute leicht belächeln. Doch was dieses
Gefühl eigentlich ausmacht, bleibt heute wohl ebenso umstritten wie damals.
Vielleicht liest sich dieser Roman deshalb gerade wegen seiner zeitlichen
Distanz so erfrischend unkompliziert.
Und dennoch muss am Ende jeder seine eigenen Antworten auf die Rätsel
finden, die die Liebe uns stellt.
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