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Joachim Luetke
Erschienen
Posthuman - The art Of Joachim Luetke
07/2001
Weitbrecht
120 Seiten / DM 78
Ist der Mensch gut? Diese Frage stellen wir uns öfter, aber wenn man sich diesen Bildband anschaut bekommt man den Eindruck, der Mensch ist krank. Posthuman bebildert auf zirka 120 Seiten morbide Lust an der Fäulnis. Dabei lehnt sich viel an H.R. Giger an. Die Babys mit den Hühnerbeinen sind die Barbie-Puppen-Version von Gigers verrottenden Baby-Kriegern. Und auch die Vorliebe bei der Verbindung des technischen mit dem organischen findet man auf fast jeder Seite wieder. Doch Luetke ist verträglicher, nicht nur weil nicht auf jeder Seite ein erigierter Penis oder eine Vagina zu sehen ist, sondern weil alles trotz der düsteren Aussage sauber wirkt.

Obwohl jede Seite dieses Buches mit der Verdammnis und der Vergänglichkeit kokettiert, geschieht das auf freundliche, fast sich anbiedernde Art. Es ist gruselig genug um zu schockieren, aber sauber genug um es zu kaufen. Die Bilder spielen mit den Objekten. Mal werden sie dupliziert, mal aus anderer Perspektive abgelichtet. Obwohl nah an der Wiederholung erzeugt das Detail und der andere Blickwinkel genug Sensation um für sich genommen neu zu wirken. Was bei zweidimensionalen Bildern langweilen würde, ermöglicht bei den Plastiken ein näheres befassen und erfahren - wenn man das denn überhaut möchte.

Die Photos leben von der Kunst der Inszenierung und von ihrer perfekten Darbietung. Bilder vermischen sich nahtlos mit Photos, wer die Comic-Serie "Sandman" vor allem wegen der Cover das erste mal in die Hand nahm, wird hier begeistert sein. Das Buch steigert sich und hat als Klimax eine Sektion mit Bildern des populären Psychotikers schlechthin: Marilyn Manson. Und schon wieder steht Posthuman im Spannungsfeld zwischen Kommerz und Verderbnis. Die Perfekte Aufmachung mit Hardcover, LP-Format, hochwertigem Druck und schwerem Papier begeistert den Betrachter mit standhaftem Magen. Posthuman lebt von der Lust am Untergang, die man ausleben kann, wenn sich die Welt im Lot befindet. Die am Rande das Lebens stehen, werden die knapp achtzig Mark eher in den nächsten Supermarkt oder zum Dealer schleppen, als sich dieses Buch zu kaufen. Aber gerade deswegen ist Posthuman so anziehend wie der Traum vom leben im dritten Reich - man kann jederzeit den Buchdeckel zu schlagen und es bleibt nur eine Gänsehaut, die vom Zivilisationskomfort besänftigt wird.