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Über 25 Millionen Exemplare verkauften sich seit 1943 vom Kinderbuch-Klassiker
"Der Kleine Prinz" aus der Feder des französischen Schriftstellers Antoine
de Saint-Exupéry, der eigentlich Antoine-Marie Roger Graf von Saint-Exupéry
hieß. Das schmale Bändchen wurde in mehr als 80 Sprachen übersetzt und zählt
ganz ohne Zweifel zu den beliebtesten und auch zu den besten Kinder- und Jugendbüchern
auf dem Markt.
Der Berliner Tivola Verlag, der sich ganz den edukativen und gewaltfreien
Spielen verschrieben hat, hat bereits im vergangenen Jahr eine multimediale
Adaptation des Werks als "Spielgeschichte" herausgebracht.
Um es vorweg zu nehmen: Die Umsetzung ist äußerst gelungen, man konnte das
Büchlein sehr werktreu und doch anspruchsvoll in eine Multimedia-Geschichte
verwandeln.
Der kleine (oder auch große) Forscher macht sich zusammen mit dem kleinen
Prinzen auf die Reise durch das Universum. Er trifft auf den verschiedenen
Planeten altbekannte Gesichter: Den König, der so gerne einen Untertanen hätte,
dem er seine weisen Befehle geben kann, den bedauerlichen Säufer, den Geographen,
der ihm die Planeten vorzählt.
Betritt man den Saturn, so eröffnet sich die komplette Geschichte des "Kleinen
Prinzen" als Text. Abschnittsweise wird der Leser von einer Schwalbe zu den
animierten Teilen geflogen, in denen der Schauspieler Ben Becker abschnittsweise
erzählt; den "Kleinen Prinzen" lässt Nicolás Artajo sprechen.
Tolle Bilder, auf denen es per Mausklick allerlei zu entdecken gibt machen
die Rezeption kurzweilig und halten Groß und Klein fest bei der Stange.
Mehr über den Autor erfährt man, wenn man ein Flugzeug, das um die Erde
kreist, anklickt: Die komplette Biographie, ergänzt durch einige Panoramabilder,
auf denen man den Lebensweg nachempfinden kann, und einige Fotoseiten.
Auch der Asteroid B612, der Heimatplanet des Kleinen Prinzen, lässt sich
besuchen. War man allerdings einmal dort, dann ist man auch für die Pflege
des Planeten verantwortlich: Keimlinge der Affenbrotbäume müssen abgerupft
werden, der Vulkan muss an und an gefegt, vor allem aber muss die Rose gegossen
werden. Sonst lässt sie schnell den Kopf hängen und beschwert sich. Sie ist
schließlich eine stolze Rose!
Auf der Erde selbst wartet der Fuchs auf den Besucher: "Bitte, zähme mich".
Dazu muss man ihn regelmäßig besuchen und sich immer ein wenig näher zu ihm
setzen. Um auch wirklich jeden Tag vorbei schauen zu könne, ruft der Laternenanzünder
von seinem Planeten "Guten Tag!" und "Gute Nacht!" aus - eine Art Uhr.
Hat man sich das Vertrauen von Reinecke verdient, dann kann man mit ihm spielen
und er hält eine kleine Überraschung bereit: Ein ganz persönliches Buch mit
tollem Briefpapier und Tagebuch-Funktion.
Kindgerecht und sehr nett aufgemacht ist das Spiel also ohne Zweifel. Allerdings
gibt es auch hier - wie bei allen multimedialen Produkten, die wir bislang
vorgestellt haben, eine lange Liste von Schwachstellen; ganz offenbar liegt
es am Medium, das eine unendlich große Fülle von Fehlerquellen zulässt, dass
aller guter Wille von mehr oder minder störenden Problemen im Detail begleitet
wird.
Zunächst ist der Flug durchs Universum auch bei guten Systemvoraussetzungen
nicht ruckelfrei und es ist schwierig, zu navigieren, weil die Karte offensichtlich
keinen logischen Gesetzen unterliegt. Das ist umso störender, als man
während der Zeit, in der man den Fuchs zähmen will, immer wieder
zum Asteroiden B612 zurückkehren muss, um dort die Pflegearbeiten nicht
zu vernachlässigen. Bei unseren Tests mussten wir immerhin zwölf
Mal hin und her fliegen.
Das Blättern durch die Geschichte ist zwar schön mit Geräuschen untermalt,
erweist sich aber doch als recht langatmig.
Der Mauszeiger wechselt in allen Anwendungen nicht logisch: Eigentlich sollte
ein Stern anzeigen, dass etwas gemacht werden kann, dass sich etwas zum Anschauen
oder zum Bewegen im Bild versteckt - das ist aber bei Weitem nicht immer so.
An mehreren Stellen führt das Spiel in Sackgassen: Die Panorama-Bilder bei
der Biografie kann man nicht mehr verlassen, hat man sich mit dem Fuchs angefreundet
und das Buch erhalten, dann wechselt man in ein eigenes Programm, das Universum
selbst wird abgebrochen und man muss, wenn man noch nicht alle Planeten besucht
hat, von vorne anfangen. Das Buch selbst lässt sich ebenfalls nicht systemorientiert
verlassen.
Was bleibt nach vielen Teststunden: Die Vorzüge des "Kleinen Prinzen" von
Tivola überwiegen ziemlich deutlich die Mängel. Dem Verlag ist es gelungen,
eine hervorragende Geschichte in mindestens ebenso hervorragender Weise auf
Silberscheibe zu bringen.
Die Paar Mängel in der Umsetzung lassen sich da gut verkraften.
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