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Eigentlich wäre es ja nur angemessen, die Besprechung eines englischen
Buches auch auf Englisch zu machen.
Aber - unsere ehemaligen Englischlehrer mögen es uns verzeihen - darauf habe ich nun doch
keine Lust.
Dabei fällt es während des Lesens erstaunlich wenig auf, dass man keine
Geschichten in der Muttersprache liest. Hat man erst einmal über die ersten Seiten des
"Was hieß das nochmal?" und des "Hm, das Wort kommt mir ja irgendwoher
bekannt vor..." hinweggelesen und sich notfalls bei den Vokabelangaben unten auf der
Seite schlau gemacht, geht das Lesen plötzlich sehr zügig.
Dafür sorgen mehr die spannenden Geschichten als die auf mysteriöse
Weise wiedererweckten Englischkenntnisse - aber immerhin. Ein wenig hat man doch das
Gefühl, auch etwas für seine Fremdsprachenbildung zu tun.
Aber wie gesagt, in erster Linie geht es doch um die manchmal etwas
seltsam anmutenden aber immer fesselnden Geschichten.
Da das Nachwort glücklicherweise auf Deutsch ist, kostet es nicht viel Überwindung, sich
darüber zu informieren, was Patricia Highsmiths Spezialität ist: Das "Normale"
und die schleichende Grenze zu dem, was man so leichthin als "verrückt" oder
"geisteskrank" bezeichnet.
Die von ihr beschriebenen Verbrechen werden nicht von hartgesottenen, berechnenden
Kriminellen begangen, es sind "Gelegenheitsverbrecher" wie du und ich - normale,
recht unauffällige Durchschnittstypen, bis eben etwas geschieht, das sie zu extremen
Lösungen greifen lässt.
Der Autorin geht es nicht darum, einen Krimi zu schreiben, bei dem am Ende der
"Bösewicht" sicher in Verwahrung ist und wir alle wieder beruhigt schlafen
können; sie beschreibt, wie Unterdrückung, Enttäuschung, Angst, Aggression und
Hilflosigkeit so weit führen können, dass anerkannte und gelebte Normen bedenkenlos und
ohne Reue übertreten werden.
Manche der Geschichten hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack, zu
deutlich wird gezeigt, wozu das Leben in unserer Gesellschaft führen kann.
Zwar werden nur extreme, übertriebene oder zugespitzte Situationen geschildert, aber wir
erkennen doch unseren Alltag immer wieder. Und es stellt sich die Frage: Was ist
Realität, was erleben wir nur als solche? Wodurch wird unser Handeln bestimmt? Wie sähe
die ganze Geschichte aus der Sicht des Gegenübers aus? Wo liegt die Wahrheit - gibt es
sie überhaupt?
Sechs spannende und unterhaltsame Geschichten für Leute mit Sinn für schwarzen Humor, Interesse an Außergewöhnlichem und an den Abgründen der menschlichen Psyche.
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