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Weihnachten, "des Jahres schönste Zeiten", bricht an. Mit diesem heute so christlichen Fest zieht - insbesondere in der Vorweihnachtszeit - der absolute Konsumrausch über die Deutschen herein. Kaufen, kaufen, kaufen heißt dann das Motto
mindestens 14 Stunden am Tag. Die kurze Zeit, die durch das Ladenschlussgesetz vom weiteren Prassen ausgenommen bleiben muss (wer kauft schon ein Weihnachtsgeschenk an der Tankstelle?!), wird mit dem Schreiben von Weihnachtskarten, dem Backen von Plätzchen (die am Ende ohnedies keiner essen will, weil doch die aus der Packung viel besser
schmecken...) und dem Einpacken von Geschenken verbracht. Kein Wunder also, wenn Kollegen
und Freunde gerade in dieser ach so "besinnlichen Zeit" immer fahler im Gesicht werden - extremer Schlafentzug zeigt eben bei jedem Wirkung.
Ein wunderschöner Brauch ist da ein
Adventskalender. Wie das Papiermetermaß für die letzten hundert Tage beim Bund ermöglicht dieser sogar für das Auge fassbar, den Countdown herunterzuzählen bis endlich wieder echte Ruhe nach den "ruhigen Festtagen" einkehren kann.
Dabei stehen nicht nur Kinder auf die meist mit Süßigkeiten gefüllten Adventskalender: Gerade Liebespaare finden immer ausgefallenere Ideen, um den "Liebsten" an jedem Tag bis zum Heiligen Abend mit kleinen Überaschungen zu
beglücken - vom Nikolaus mit Ständer und dem Kondom mit Zimtgeschmack bis zum SM-Spielzeug ist da alles drin.
Eine wunderbare Möglichkeit, den Weihnachtsstress bereits Anfang November ausbrechen zu lassen: Schließlich will ein Adventskalender gebastelt, die Geschenkchen wollen gekauf und das ganze installiert werden!
Reclam biete eine beruhigend coole Alternative für all diejenigen, die keine Lust haben, kurz nach Ostern schon mit den Weihnachtsvorbereitungen zu beginnen: Ein
elektronischer Adventskalender, der binnen 27 Sekunden auf dem Rechner installiert ist.
An jedem Tag des Dezembers bis zur Bescherung werden dann kleine Geschichten und
Gedichte geboten - eine nicht nur geistreiche Alternative zum Zuckerzeug, sondern auch
eine, die die Linie schont, die beim "großen Fressen", das meist an den
Feiertagen angesagt ist, ohnedies arg strapaziert wird!
Von Katharina Weiss Meditation über Georges de la Tours Gemälde "Der Traum des Heiligen Joseph" über Matthias Claudius "Ein Lied Ofen zu singen" bis hin zu Ludwig Thomas "Christabend" wird da eine passable Auswahl Weihnachtsliteratur geboten, teils ernst und nachdenklich, teils heiter und passagenweise gar ein wenig kritisch.
Die Texte werden von Susanne Wagner oder Otto Mellies vorgelesen - eine nette Idee, die
allerdings auf halber Strecke steckenbleibt, weil weder der Textfluß durch optische Hervorhebung mit dem Vortrag verbunden wird, noch irgendwelche weiteren multimedialen Elemente zu finden sind. Allein die Möglichkeit des Ausdrucks aller Texte kann das Computer-Spielkind längst nicht mehr erfreuen!
An die Texte heranzukommen ist garnicht so einfach: Wie beim "echten" Adventskalender an der Wand oder der Decke müssen erst die richtigen Türchen gefunden werden. Und die Systemuhr verhindert, dass allzu neugierige Gesellen bereits vor der Zeit alle Türchen aufmachen und die literarischen Leckereien verputzen.
Drei besondere "Schmankerl" seien getrennt erwähnt: Eine herzige Bildergeschichte von e.o. Plauens "Vater-und-Sohn"-Duo lässt mit dem
"Heimlichen Weihnachtsbastler" Erinnerungen an alte Tage aufkommen - und das schon am 04. Dezember!
Wilhelm Buschs "Rutschpartie" entführt in Zeiten, zu denen bei lustigen Rodelspäßen noch der ein oder andere auf die Schippe genommen werden konnte: Spaß bis zum Abwinken am 14.12.
Eine kleine Weihnachtskarten-Bastelwerkstatt schließlich bietet einen - wenn auch recht
eingeschränkten - guten Anlass, die Weihnachtspost schnell und zeitgemäß zu erledigen.
Fehlt nur noch einer, der die Karten zur Post bringt...
Alles in allem lässt sich der Elektronische Adventskalender nicht nur Computer-Freaks
empfehlen. Diesen vielleicht am wenigsten.
Und auch für all die, die sich von einem Adventskalender auf CD-ROM nicht den
Weihnachtsstress verderben lassen wollen: Man könnte ja nach einem geeigneten Computer
für die Installation des Kalenders suchen, der das "Türchen" am ersten
Dezember darstellt... Na denn: Viel Spaß beim Suchen!
Dem Reclam-Verlag sei - neben dem Dank für einen recht gelungenen Anfang - die Idee
mit auf den Weg gegeben, dass man 1999 in einem Kalender-Update ein wenig mehr Multimedia
unterbringen könnte.
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