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"Engel" nennt Martin seine Frau Angelika, und tatsächlich
wirkt die schöne junge Frau wie ein Geschöpf aus einer anderen Welt.
Und es ist eine fremde Welt, in die der Leser da unvermittelt hineingerät.
Das angebliche Wohn-"Paradies" Kronbusch, in dem die Geschichte
spielt, stellt sich bald als eine bedrohliche, beklemmende, todbringende Umgebung
heraus, in der alle Beteiligten die Orientierung verlieren.
Der Leser wird Schritt für Schritt eingeweiht in die mysteriösen
Zusammenhänge. Da geschehen in der modernen Wohnsiedlung Kronbusch unvermittelt
Selbstmorde, die keinen Sinn ergeben. Menschen, die von ihrer Umwelt als ausgeglichen
dargestellt werden, beenden ihr Leben auf blutige Weise. Die Angst vor weiteren
Zwischenfällen greift um sich. Es herrscht Ratlosigkeit.
Und über all dem - hoch in ihrem Haus auf dem Dach - thront Angelika.
Ein bisschen verwöhnt, ein bisschen verwirrt und meistens unnahbar. Und
im Laufe der Zeit immer launischer, aggressiver, kälter. Von Erinnerungsbruchstücken
heimgesucht. Ihre Ehe mit Martin scheint an den unerklärlichen Todesfällen
zu zerbrechen. Martin fühlt sich persönlich für die Selbstmorde
verantwortlich - Angelika auch... Doch wer hat letztendlich Schuld?
Dann gibt es da noch das Mädchen mit den unheimlichen Augen, aus denen
der blanke Hass spricht. Ihre Adoptivmutter macht sich verrückt vor lauter
Sorge um sie - und beobachtet Merkwürdiges. Darf man sich auf das verlassen,
was man schon immer geglaubt hat?
Leser mit einem Hang zum Übernatürlichen werden schnell ihre Schlüsse
ziehen. Doch auch die Skeptiker müssen bald eingestehen, dass im Roman
eben alles möglich ist und sie mit Logik diesmal nicht weiterkommen -
zumindest wenn sie das Buch nicht schnell beiseite legen. Falls sie sich doch
zum Weiterlesen entschließen, werden sie auch erfahren, dass eben gerade
die Skepsis dazu führt, dass niemand der Gefahr entgegentritt und der
scheinbar selbstgewählte Tod weiter um sich greift...
Mysteriös? Beklemmend? Spannend? Ja. Doch der anfangs so sorgsam aufgebaute
Spannungsbogen erleidet zwischendurch ein paar Brüche. (Genau wie die
sonst recht klischeehaft gestrickten Charaktere.)
Gerade gegen Ende vermag die Geschichte nicht mehr besonders zu überraschen
- aber die düstere Atmosphäre wird weiter aufrechterhalten. Es ist
ja so ungemein prickelnd, sich vor dem Unbekannten zu fürchten - das
kann man dann ruhig noch ein paar Seiten verlängern.
Ein Buch für alle mit einer Schwäche für parapsychologische
Phänomene, mit Spaß am Unerklärlichen und einem Hang zum laienhaften
Analysieren schwarzer Seelen. (Es ist ja alles so schön einfach.)
Für alle anderen eher ein Buch zum Kaminanzünden.
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